Rede Volkstrauertag 14.11.2010
Liebe Kameraden, meine Damen und Herren,
es ist schön, in Frieden zu ruhen, aber es ist besser, in Frieden zu leben. Irgendwo auf der Welt ist immer Krieg, und gerade diese Tatsache macht uns bewußt, dass der Volkstrauertag seine Berechtigung hat, dass er notwendig und sinnvoll ist:
Als Gedenktag für die Opfer der Kriege, aber auch für die Opfer von Willkür und Gewalt.
Seit 1952, also seit 58 Jahren, nach einer wechselvollen Geschichte seit den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts, ist der Volkstrauertag eine feste Institution am 2. Sonntag vor der Adventszeit. Er fällt damit in die graue Zeit des Jahres zwischen Herbst und Winter, in der sich Gedanken an Tod und Vergänglichkeit fast von selbst einstellen.
Nur bei uns in Deutschland wird dieser Gedenktag an diesem Termin begangen. Bei unseren Freunden in Frankreich, England und den USA sowie vielen anderen Staaten der Welt wird den Toten der Kriege am 11. November gedacht. In Anlehnung an den Waffenstillstand und die Kapitulation Deutschlands im ersten Weltkrieg, in Compiégne, welcher das Ende des 1. Weltkriegs bedeutete.
Alljährlich, liebe Kameraden, liebe Freunde, gedenken wir an diesem vorletzten Sonntag des Kirchenjahres vor Advent unseren gefallenen Kameraden und darüber hinaus allen gefallenen Soldaten der letzten beiden Weltkriege sowie aller nachfolgenden kriegerischen Auseinandersetzungen, in Asien, Afrika und auch in Europa. Wir denken an sie und wir trauern.
Der Opfer von Krieg und auch von Gewalt zu gedenken, das klingt nüchtern und abstrakt. Doch dahinter verbergen sich unzählige kaum fassbare Leiden unzähliger Opfer. Dahinter verbergen sich die Schicksale sehr vieler Menschen, Mitmenschen.
Wir dürfen diese Opfer nicht in Vergessenheit geraten lassen, sondern müssen uns an sie erinnern. Wir gedenken und wir trauern.
Erinnern wir uns, liebe Kameraden, dass genau an dieser Stelle, hier vor dem französischen Ehrenmal, französische Soldaten bestattet wurden, welche Ende des 2. Weltkriegs im Kampf gegen die Diktatur gefallen sind oder von den Nazis ermordet wurden. Sie alle waren unsere Kameraden als Soldaten und drei von ihnen liegen immer noch hier, unter diesem Rasen, in fremder Erde, namenlos.
Wir trauern um unsere Kameraden, welche in der Reisfeldern Indochinas, in den heißen Wüsten und Steppen Nordafrikas, im Irak, an der Elfenbeinküste, im Tschad, im Kongo, in Jugoslawien und Afghanistan auf dem Felde der Ehre geblieben sind. Gestorben im Dienste Frankreichs, als Legionäre.
Wir gedenken unseren Kameraden von der deutschen Bundeswehr, mit welchen wir in vielen Einsätzen gemeinsam kämpfen, welche in diesen Einsätzen für Deutschland und den Weltfrieden in Afghanistan und vielen anderen Einsatzgebieten weltweit ihr Leben gelassen haben. Wir gedenken und wir trauern.
Wenn wir zurück blicken in unsere gemeinsame, deutsch-französische Geschichte, dann wächst die Aufforderung an uns, alles zu tun, damit sich die Schrecken dieser Kriege nicht wiederholen können. Nie wieder Krieg, allein auf Versöhnung, Verständigung und Frieden basiert unsere gemeinsame Zukunft. Versuchen wir heute,Versöhnung und Frieden zu stiften, erinnern wir uns daran, wie furchtbar Krieg und Gewalt sind. Der Volkstrauertag trägt dazu bei, diese Erinnerung wach zu halten - damit es immer weitere Schritte zur Versöhnung gibt.
Mannheim, 14.11.2010
Heinrich Back